Der Iberische Luchs



Auf den Spuren des Iberischen Luchs


Der Pardelluchs (Lynx pardinus), auch Iberischer Luchs genannt, gehört zu den seltensten Katzenarten der Welt. Einst als Unterart des Eurasischen Luchses betrachtet, erkannte man seinen Ursprung später eindeutig im Südwesten Europas – und damit seinen Status als eigenständige Art. Äusserlich ähnelt er seinem nördlichen Verwandten, doch einige Merkmale machen ihn unverwechselbar: ein besonders ausgeprägter Backenbart, ein stärker geflecktes Fell und sein vergleichsweise zierlicher Körperbau. Mit 9 bis 15 Kilogramm Gewicht bleibt er deutlich leichter als der Eurasische Luchs und erreicht eine Länge von 85 bis 110 Zentimetern.

Die Iberische Halbinsel ist die einzige Heimat dieses faszinierenden Raubtiers. Seine Spezialisierung auf Wildkaninchen jagende Lebensräume im mediterranen Buschwald wurde ihm jedoch beinahe zum Verhängnis. Als die Kaninchenpopulation in den 1950er-Jahren durch die Myxomatose fast vollständig zusammenbrach, schrumpfte auch das Verbreitungsgebiet des Pardelluchses dramatisch. Um die Jahrtausendwende galt er als eine der am stärksten bedrohten Katzenarten weltweit. Erst umfassende Schutz- und Zuchtprogramme in Portugal und Spanien führten zu einer bemerkenswerten Erholung: Innerhalb von rund 25 Jahren verzwanzigfachte sich die Population – ein Naturschutz-Erfolg, der international Beachtung findet.

Unsere eigenen Recherchen verschafften uns Zugang zu einer Forschungsstation in Kastilien-La Mancha, die massgeblich an einem Wiederansiedlungsprojekt beteiligt ist. Diese Gelegenheit ermöglichte uns, den Iberischen Luchs aus nächster Nähe zu beobachten und zu fotografieren. Fünf Tage lang verbrachten wir insgesamt rund 50 Stunden in verschiedenen, teils winzigen Verstecken – bei Temperaturen um die 40 °C. Die Geduld, die Stille und die Hitze waren herausfordernd, doch die Begegnung mit diesen scheuen, kraftvollen Tieren machte jede Minute lohnenswert.

Der Pardelluchs ist heute Sinnbild einer einzigartigen Tierwelt der Iberischen Halbinsel. Sein Comeback wurde unter anderem möglich, weil die Region Kastilien-La Mancha umfassend renaturiert wurde – auf öffentlichen Schutzflächen, aber vor allem auf privaten Fincas und Jagdrevieren. Das Erfolgsrezept liegt in der engen Zusammenarbeit zwischen Naturschutz, Landwirtschaft und Jagdwirtschaft. Landeigentümer wurden aktiv eingebunden und für ihren Beitrag entschädigt – ein Modell, das zeigt, wie Mensch und Natur gemeinsam profitieren können.

Spanien demonstriert mit diesem Projekt, dass moderner Tier- und Naturschutz kein Widerspruch zur landwirtschaftlichen Nutzung sein muss. Dieser bemerkenswerte Ansatz und unsere fotografischen Eindrücke daraus werden im Zentrum unserer nächsten Ausstellung stehen.




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